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07


 

Das Saxophon-Mundstück

 


 

     

Die Gestaltungsmöglichkeiten eines Mundstücks hinsichtlich

- Bahnöffnung

- Gegenwand

- Bahnlänge

- Material

- Kammer

 


sind so vielfälltig, daß hier für die Suche nach dem Idealmundstück, die wichtigsten Begriffe und Auswirkungen erläutert werden.

 

Zeichnung

 

Die Bahn

 


 

Die Bahn ist der Abschnitt zwischen Mundstückspitze ( Tip Rail ) und dem Tisch des Mundstücks, an dem der angeschnittene Teil des Blattes zum schwingen kommt. Die Bahn unterteilt sich in Öffnung ( "Tip Opening" ) und Länge ( "Facing Length"). Veränderungen der Bahnkurve bezügl. der Steigung und Länge beeinflussen das Anblasempfinden. Der Verlauf dieser Kurve wird in feinen Abstufungen von sehr eng mit kurzer Bahn bis extrem offen mit langer Bahn angeboten. Mit zunehmender Bahnöffnung verlängert sich meist proportional auch die Bahnläge wobei jeder Hersteller seine eigene Philosophie von optimaler Balance hat und kreiert. So können bei vergleichbaren Öffnungen die Bahnlägen unterschiedlich sein. Der Hersteller Selmer verwendet für neun verschiedene Öffungen immer die gleiche Bahnlänge während Otto Link für zehn Bahnöffnung fünf Bahnlängen anbietet.

 

Zeichnung

Beispiele

Öffnung

Länge in mm

1. Enge Bahn

 

 

SELMER C

1,60

22

OTTO LINK4

1,40

19

VANDOREN A-27

1,65

19

2. Mittlere Bahn

 

 

SELMER C**

1,80

22

OTTO LINK 5*

1,78

20

VANDOREN A-20

1,86

23

3. Offene Bahn

 

 

SELMER E

2,00

22

OTTO LINK 6*

2,00

20

VANDOREN A-35

2,06

21

 

Durch den mehr oder weniger geschulten Ansatz eines Spielers und der individuellen Zahn- und Kieferstellung ist das Anblasempfinden subjektiv. So kann das Klangergebniss bei der gleichen Blatt- und Mundstück Kombination sehr unterschiedlich sein. Eine Beschreibung der Auswirkung ist nur unter Vorbehalt möglich, dennoch möchte ich meine und andere Erfahrungen beschreiben. Die Intonation wird durch die Lippenspannung beeinflußt. Bei kurzen Bahnen ist dieser Modulationsbereich z.B. für das Vibrato geringer als bei langen Bahnen. Auch lässt sich das obere Tonregister bei kurzen Bahnen leichter nutzen und umgekehrt.
Die Dynamik oder Lautstärke wird durch die Menge der Luftzufuhr beeinflußt. Bei 
engeren Bahnen ist die Schwingungsbewegung des Blattes geringer, damit der Dynamikbereich begrenzter. Für Anfänger ohne geschulten Ansatz eignen sich enge Bahnöffnungen mit leichten Blättern. Enge und mittelenge Bahnöffnnungen mit langen Bahnen und härteren Blättern bewirken einen konzentrierten Ton und eine hohe Kontrolle über Intonation und Ansprache, auch bei sehr großen Intervallsprüngen. Diese Kombination wird vorwiegend von Saxophon Spieler/innen in der konzertanten Musik bevorzugt.
Bei 
offener werdenen Bahnen wird der Ton voluminöser sowie faseriger und bei sehr weiten Bahnöffnungen erhöhen sich die Hauchklanganteile. Der Ton kann mit der Lippenspannung flexibler genutzt werden: Für stilistische Effekte z.B. extremes Vibrato, Slide Ins/Outs , Glissandi. Die Kontrolle über die Intonation wird bei offenen und langen Bahnen allerdings schwieriger. Da der Blaswiderstand sich bei offeneren Bahnen erhöht, werden häufig leichtere Blätter gespielt. Eine gelungene Kombination zwischen Bahnöffnung und Blattstärke hängt natürlich sehr von der Klangvorstellung und dem Ansatz ab.

Um also das ideale Mundstück zu finden, ist es unvermeidlich verschiedene Mundstücke zu probieren.

Von den Saxophon-Mundstück-Herstellern werden die Bahnöffnung mit ganz unterschiedlich Codes (Buchstaben oder Zahlen ) bezeichnet. Zur Orientierung nachfolgend eine Vergleichstabelle.

 

Sopran Sax

1000/Inch

50

55

60

65

70

75

80

85

90

95

100

105

Berg Larsen

50

55

60

65

70

75

80

85

 

 

 

 

Dukoff

 

D4

D5

D6

D7

D8

D9

D10

 

 

 

 

Guy Hakwins

 

 

4-5

6

7

 

 

 

 

 

 

 

Meyer

5

6-7

8-9

10

 

 

 

 

 

 

 

 

Otto Link

5

5*

6

6*

7

7*

8

8*

9

 

 

 

Selmer

C*

C**

D/E

F/G

H

I

 

 

 

 

 

 

Vandoren

S15

 

S25

 

S35

 

 

 

 

 

 

 

Yanagisawa

 

5

6

7

8

9

 

 

 

 

 

 

 

Alto Sax

Bahnöffnung

eng

mitteleng

mittel

mitteloffen

offen

1000/Inch

60

62

65

70

74

75

80

83

85

90

95

100

105

110

Berg Larsen

 

 

 

70

 

75

80

 

85

90

95

100

105

110

Dukoff

 

 

D4

D5

D6

 

D7

 

D8

D9

D10

 

 

 

Guy Hakwins

 

 

 

 

 

 

4

 

5

6

7

8

9

10

Meyer

 

 

 

5

 

6

7

 

8

9

 

10

11

12

Otto Link

4*

 

5

5*

 

6

6*

 

7

7*

8

8*

9

9*

Selmer

B*

C

C*

C**

 

D

E

 

F

G

 

H

 

 

Vandoren

 

A20

A25

A27

 

 

A35

 

A45

 

 

A55

 

 

Yanagisawa

 

 

 

 

 

 

 

 

5

6

7

8

9

 

 

Tenor Sax

Bahnöffnung

eng

mitteleng

mittel

mitteloffen

offen

1000/Inch

65

70

75

80

85

90

95

100

105

110

115

120

125

130

Berg Larsen

 

 

 

80

85

90

95

100

105

110

115

120

 

 

Dukoff

 

 

D4

 

D5

 

D6

 

D7

 

D8

 

D9

D10

Guy Hakwins

 

 

 

4

5

6

7

8

9

 

10

 

 

 

Meyer

 

 

5

6

7

8

 

9

10

11

12

 

 

 

Otto Link

 

4

4*

5

5*

6

6*

7

7*

8

8*

9

9*

10

Selmer

C

C*

C**

D

E

F

G

 

H

 

 

 

 

 

Vandoren

 

T15

 

T20

T25

T35

 

 

 

 

 

 

 

 

Yanagisawa

 

 

 

 

 

 

5

6

7

8

9

 

 

 

 

Die Kammer

 


 

Die Kammer, der Innenraum des Mundstücks, gehört zum Gesamtvolumen der Luftsäule die im Saxophon schwingt. Die Größe der Kammer (das Volumen) hat Einfluß auf die Intonation. Um das Saxophon zu stimmen wird die Position des Mundstücks auf dem S-Bogen verändert. Damit ändert sich gleichzeitig das Kammervolumen bzw. die Stimmung.

Die Form der Kammer hat großen Einfluß auf die Klangfarbe. Die Gestaltung der Seitenwände und der Gegenwand wird von den Mundstück-Designern in vielfälltigster Form angeboten.

 

     

Zeichnung

 

Kammer

 

Die Gegenwand

 


 

Zeichnung

Beispiel 1 " Koncave und gerade Gegenwand "
Ist die Innenform sehr rund mit ausgehöhlten Seitenwänden und einer konkav verlaufenden Gegenwand, so bewirkt das eine sehr dunkle und weiche Klangcharakteristik. 


Beispiel 2 " Baffle " und 3 " Konvexe Gegenwand "

Verengt sich die Kammergröße durch z.B. einen Baffle, einer Erhöhung direkt am Einlass (Tip rail) oder einer konvex verlaufenden Gegenwand deren Kurve ganz unterschiedlich sein kann, bekommt das Klangbild mehr Obertöne und wird lauter. Von dunkel-volltönend bis brilliant reicht das Spektrum der Klangcharakteristik. 


Beispiel 4 " enge Gegenwand "

liegt die Gegenwand extrem eng am Blatt mit einer Stufe zur Kammer, ist der Ton hell und durchdringend scharf, verursacht aber auch im tiefen Register mehr Widerstand.

 

Beispiele

 


 

Innenansicht

Otto Link

Ponzol

Links: Meyer mit runder Kammer
Rechts: Selmer mit eckiger Kammer

Otto Link Bronze
vergoldet, Baffle am Tip-rail, konvexe Gegenwand, Seitenwände ausgehöhlt, große Kammer: dunkler voller Ton.

Peter Ponzol
Messing vergoldet, Gegenwand mit Stufe, 2.Teil steil abfallend, mittelgroße Kammer: voller sonorer Ton.

     

Hawkins

Brancer

Beechler

     

Guy Howkins
Messing vernickelt,
leicht konvexe Gegenwand, steil abfallend, mittelgroße Kammer: brillianter voller Ton.

Brancher 
Messing vergoldet,konvexe Gegenwand, mit Baffle am Tip-rail, steil abfallend, mittelgroße Kammer:brillianter voller Ton.

Beechler
Stahl, lange konvexe Gegenwand, gerade enge Seiten, sehr enge Kammer: heller scharfer Ton.

 


   Diddy